Warum Montagekräfte in der Autoindustrie gesucht sind
Die deutsche Automobilindustrie produziert weiter auf hohem Niveau und baut gleichzeitig viele Werke auf Elektroantriebe um. Dafür braucht sie Menschen am Band – und der Fachkräftemangel sorgt dafür, dass auch angelernte Kräfte gute Chancen haben.
Der übliche Einstieg führt über Zeitarbeitsfirmen, die für die Werke rekrutieren. Nach einigen Monaten ist eine Übernahme in die Stammbelegschaft möglich, oft mit deutlich besserem Tarifgehalt.
Aufgaben in der Fahrzeugmontage
Die Tätigkeiten sind klar strukturiert und werden vor Ort eingelernt.
- Bauteile am Fließband montieren
- Mechanische und elektronische Komponenten einbauen
- Qualitätskontrolle und Endprüfung durchführen
- Montagewerkzeuge und Maschinen bedienen
- Produktionsdaten dokumentieren
- Sicherheits- und Qualitätsstandards einhalten
Ads
Gehalt in der Automontage
Die Werte sind monatliche Bruttogehälter. Hinzu kommen je nach Tarif Schichtzulagen, Nacht- und Wochenendzuschläge sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld – in tarifgebundenen Werken (IG Metall) fällt das deutlich ins Gewicht.
| Stufe | Brutto-Monatsgehalt |
|---|---|
| Einstieg / Produktionshelfer | ca. 2.600 € |
| Angelernt mit Erfahrung | 3.200 € – 3.800 € |
| Facharbeiter im Großwerk mit Schichtzulagen | bis zu 4.500 € |
Die größten Arbeitgeber
Stellen gibt es bei den Herstellern selbst, bei Zulieferern und über Personaldienstleister.
- Hersteller: Volkswagen (Wolfsburg), BMW, Mercedes-Benz, Audi, Porsche
- Zulieferer: Robert Bosch, ZF Friedrichshafen, Continental, Schaeffler
- Zeitarbeitsfirmen: Randstad, Adecco, Manpower
Ads
Wo die meisten Stellen sind
Baden-Württemberg und Bayern bieten mit Mercedes-Benz, Porsche, Audi und BMW die meisten Stellen. In Niedersachsen dominiert das Volkswagen-Werk in Wolfsburg, in Sachsen sind es die Werke von BMW in Leipzig und Volkswagen in Zwickau. Rund um diese Standorte haben sich außerdem zahlreiche Zulieferbetriebe angesiedelt, die ebenfalls laufend Montagekräfte suchen. Wer bei der Wohnortwahl flexibel ist, erhöht seine Chancen deutlich und findet in kleineren Städten zugleich günstigere Mieten.
Schichtmodelle und Arbeitszeit
Die Fahrzeugmontage läuft fast immer im Schichtbetrieb. Üblich sind Zwei-Schicht-Systeme mit Früh- und Spätschicht im wöchentlichen Wechsel, in vielen Großwerken auch Drei-Schicht-Betrieb mit zusätzlicher Nachtschicht.
Genau daraus entsteht ein großer Teil des Verdienstes: Nachtschichten, Samstagsarbeit und Feiertage werden mit Zuschlägen vergütet, die das monatliche Bruttogehalt spürbar anheben. Wer bereit ist, dauerhaft im Wechselschicht- oder Nachtschichtmodell zu arbeiten, verdient am Ende des Monats deutlich mehr als in reiner Tagarbeit.
- Zwei-Schicht-Betrieb: Frühschicht ab ca. 6 Uhr, Spätschicht bis ca. 22 Uhr, wöchentlicher Wechsel
- Drei-Schicht-Betrieb: zusätzlich Nachtschicht mit steuerfreien Nachtzuschlägen
- 35- bis 40-Stunden-Woche je nach Tarifbindung des Werks
- Überstunden werden bezahlt oder als Freizeitausgleich auf ein Arbeitszeitkonto gebucht
Voraussetzungen – auch ohne Ausbildung
Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist für die Montage nicht nötig. Wichtiger sind diese Punkte:
- Sorgfältiges, präzises Arbeiten
- Technisches Grundverständnis
- Teamfähigkeit
- Körperliche Belastbarkeit für stehende Tätigkeit am Band
- Bereitschaft zur Schichtarbeit, auch nachts und am Wochenende
- Grundkenntnisse Arbeitssicherheit und Deutsch mindestens A2 bis B1
Bewerbung Schritt für Schritt
Der Weg in die Montage ist kurz, wenn die Unterlagen stimmen.
- Stellen suchen bei der Bundesagentur für Arbeit, auf Indeed, StepStone, LinkedIn und Xing sowie direkt bei Zeitarbeitsfirmen
- Tabellarischen Lebenslauf erstellen, lückenlos und übersichtlich
- Online bewerben oder direkt bei der Personaldienstleistung vorstellen
- Vorstellungsgespräch, oft mit einem kurzen Praxistest zur Fingerfertigkeit
- Arbeitsvertrag, häufig zunächst über Zeitarbeit mit Option auf Übernahme in die Stammbelegschaft
Chancen für Bewerber aus dem Ausland
Für EU-Bürgerinnen und -Bürger ist der Zugang unkompliziert, da keine Arbeitserlaubnis nötig ist. Für Fachkräfte und angelernte Kräfte aus Nicht-EU-Ländern führt der Weg über die Fachkräfteeinwanderung oder die Chancenkarte; entscheidend sind ein konkretes Jobangebot, ausreichende Deutschkenntnisse und gegebenenfalls die Anerkennung vorhandener Qualifikationen.
Viele Zeitarbeitsfirmen, die für die Autowerke rekrutieren, haben Erfahrung mit internationalen Bewerbungen und unterstützen bei den Formalitäten. Fragen Sie früh nach, ob der Arbeitgeber beim Visum und bei der ersten Unterkunft hilft.
Vorsicht vor unseriösen Vermittlern
Seriöse Personaldienstleister verlangen kein Geld für die Jobvermittlung und keine Kaution. Achten Sie darauf, dass der Vermittler eine gültige Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis nach dem AÜG besitzt, und geben Sie keine Ausweiskopien an unbekannte WhatsApp-Kontakte weiter. Ein unterschriebener Arbeitsvertrag nennt immer den vollständigen Firmennamen, die Adresse, die Vergütung und die Wochenarbeitszeit – fehlen diese Angaben, ist Vorsicht geboten.
Fazit
Die Automontage ist einer der wenigen gut bezahlten Einstiege ohne abgeschlossene Ausbildung: fester Schichtplan, Tarifzuschläge und eine realistische Aussicht auf Übernahme in die Stammbelegschaft. Wer körperlich belastbar ist, Schichtarbeit akzeptiert und sich über eine seriöse Zeitarbeitsfirma bewirbt, kommt in der Regel schnell an einen Vertrag – und nach einigen Monaten oft an ein deutlich höheres Tarifgehalt.